Prolog Teil 2 Mit
einem mal sah der Alte auf. Sein Gesichtsausdruck war nun
konzentriert und musternd. Er schnaufte einmal kurz resigniert durch,
bevor er sprach.
„Du
wirst wohl nie Ruhe geben, junger Knabe. Lass einen alten Herrn wie
ich es bin für diesen Tag seinen Gedanken nachhängen, dann werde
ich dir eine Geschichte erzählen. Bei Anbruch der Dämmerung wirst
du mich in meiner Scheune antreffen können.“, murrte er rau und
schlenderte weiter. Er räusperte sich und war plötzlich wieder der
alte Greis, den er vorgab zu sein.
Kinder
schreckte der Geschichtenerzähler durch dieses Vorgehen ab. Er hatte
bereits eine gewisse Übung darin.
Der
Junge, Sohn des Schmiedes Barrek, schaute ihm noch lange nach, bis er
aus der Gasse verschwunden war. Jegor lächelte zufrieden. Er fragte
sich, welcher Geschichte er diesmal würde lauschen dürfen.
Irgendwann,
als der Tag sich dem Ende zuneigte, die Sterne ganz eben am Horizont
ihr Licht entfachten und der Mond zunehmend stärkere Konturen auf
dem Nachthimmel abzeichnete, lief er zu der vertrauten Scheune. Ihm
kam es vor, als würden sich Mythen um sie selbst schlängeln, doch
die Geschichten kamen alle niemals von hierher. Stets spielten ihre
Handlungen in weit entfernten Ländern und in dessen längst
vergessenen Städten. Eigentlich wusste er nie genau, welche Orte
gemeint waren. Vermutlich war es ihm auch egal.
An
jenem Abend war die Geschichte sehr kurz, doch umso packender:
„Leise Wacht,
Stumme Aufmerksamkeit,
In der Ferne: Leise
Stimmen,
Des Wächtersstarre
fällt.
Mit
einem markerschütterndem Schrei rannte ein von Grauen gefasster Mann
in den Wald. Es war der Wächter der Torpforte. Ein gut gebauter
Mann mit buschigem Vollbart, man mochte ihn in jener Stadt, die weit
von seinen Nachbarn entfernt lag.
Eine
beträchtliche Anzahl von Menschen versammelte sich wenige
Augenblicke später an dem stählernen Stadttor. Es galt das
merkwürdige Schauspiel zu ergründen.
Was sich
ihnen jedoch bot, war weder aufklärend, noch entfernt verständlich,
denn dort lag lediglich ein Brief vor ihnen auf dem Boden.
Wie vom
Winde hergetragen lehnte das kleine versiegelte Stück Pergament
innerhalb der Stadtmauern an dem grauen Stein. Eine verschnörkelte
aber ordentliche Handschrift zierte es mit einer blassblauen Tinte.
Man
schnitt es auf, um an dem Schicksal ihres Torwächters teilhaben zu
können.
Einige
hoffnungsvolle Gesichter schauten aufmerksam den Vorleser an:
„Kreaturen,
der Ihr seit auf der anderen Seite, seid gegrüßt,
euer
Mann von diesem Ort eilt zu uns, wir werden ihm Kund tun, was uns
beschäftigt.
Seit
wachsam, schwere Zeiten brechen heran, eine ausführliche Erklärung
folgt in Kürze,
Ursol
Quers
Jahrhunderte später;
Ein Junges Helden-Quartett:
Wachen über die Lande.
Die Hoffnung wird sein;
Ewiger Friede lasse uns verein'.“
Diese
merkwürdigen Worte teilten ihnen jedoch zu ihrer Enttäuschung nicht
das mit, was sie sich erhofft hatten. Aus diesem Grund suchten sie
jemanden auf. Ein kleiner Teil der Menschen, die rings um das
Pergament gestanden hatten, klopften nun an einer robusten Tür. Dort
wohnte der Mann, in deren Händen sie ihre Hoffnung nun legten, denn
sie berichteten ihm das Geschehnis und übergaben ihm das Stück
Pergament. Er las es sich durch, packte ein paar Brote in seine
Manteltaschen und brach auf, um den Vermissten zu suchen.
Beide
Männer sind seither nie wieder aufgetaucht.
Weder
eine ausführliche Erklärung von dem rästselhaften Ursol Quers,
noch etwas anderes wurde ihnen übermittelt.“
Fortsetzung folgt..Copyright liegt bei Lars Fiege Das verbreiten dieses Textes ohne Herkunftsangabe ist verboten.
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