Donnerstag, 13. Dezember 2012

Prolog Teil 4

Prolog Teil 4 Sie verließen ihre Heimat und holperten Tage, gar Wochen durch Wälder und über offene Landstriche. Oft bewunderte Jegor die weiten Ebenen, denn sowas hatte er zuvor niemals gesehen. In Tälern gab es solche Weiten nicht.
Er hielt Ausschau nach Neuem, welches er entdecken konnte. Sie rasteten in Gehöften und stärkten sich dort.
Der Hengst, der den Karren zog, wurde dort stets mit Wasser und Stroh versorgt, er war ausdauernd und ihnen treu ergeben.
Es war Frühling, als sie auf dem Karren fuhren. Den Weg nach Mövum ließen sie sich bei jeder Gelegenheit beschreiben.
Nach ungeführ dreizehn Tagen ging ihnen das angesparte Reisegeld zur Neige.
Für das Leben in der Großstadt hatten sie sich zwar schon Goldstücke beiseite gelegt, aber diese Münzen wollten sie noch nicht ausgeben. Schließlich war es das Geld, welches zu einer neuen Schmiede beitragen sollte. Steuern würden sie auch zahlen müssen.
So vergingen ein, zwei Tage, als sie erschöpft in der Ferne eine große und gewaltige Mauer ausmachten. Sie nahmen ein letztes Mal ihre verbliebenen Kräfte zusammen und ritten mit einem vollen Sack mit Goldmünzen in ihre neue Heimat, wo sie als Schmiedfamilie aufgenommen wurden.

Mit der Zeit wuchs die Stadt. Sie gedieh und erhielt mehr und mehr an Glänze. Mit jedem Tag kamen neue Bürger und bereicherten die neue Hauptstadt des Königreiches mit ihren Fähigkeiten. Es war erstaunlich, wie schnell sie wuchs und bald laut und belebt war.
Doch der Ort, an dem er bis vor kurzem noch gelebt hatte, fehlte ihm. Fortan erkundete er sein neues Zuhause. Er machte die nächsten Gasthäuser, Bäcker, Schuster und das nächste Schreibwarengeschäft aus. „Federkiele Firles“ zum Beispiel lag verborgen in einer schmalen Gasse, abseits des Marktplatzes. Das kleine Geschäft war im nördlichen Stadtviertel. Es strahle eine beharrliche Wärme von innen aus, doch war von außen eher ausladend.
Wer wusste, wie schön und gemütlich es dort war, würde künftig immer dort seine Einkäufe in Sachen Pergamente, Federkiele, Tinte (Königsblau, Burgund und weitere unterschiedliche Blau- und Rottöne), Briefumschläge, Wachs, Buchdeckel, Tage- und Notizbücher und viele weitere Dinge machen. Es vergingen Monate während seiner Erkundungszüge.
Fortsetzung folgt..

Copyright liegt bei Lars Fiege Das verbreiten dieses Textes ohne Herkunftsangabe ist verboten.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Prolog Teil 3


Prolog Teil 3 Doch wie die Jahre zuvor, so strichen auch die nächsten Jahre unbeirrt ins Land. Die Zeit rann dahin und mit ihr das Alter. Das Dorf machte den Anschein, als würde es noch viele Jahrhunderte genau so weiterleben, doch dies galt nicht für die Bürger. Die Familie des Schmieds Barrek packte eines Tages einen Karren voll, um nach Mövum zu fahren. Eine Großstadt, die zunehmend wuchs und gut gedieh, das hatten einige Reisende erzählt, die aus dieser Richtung gekommen waren. Es soll die neue Hauptstadt werden, denn der König residierte nun dort, sagte man.
Warum er eine komplett neue Stadt aufgebaut hatte, wusste wohl niemand zu beantworten.
Der Vater des Burschen erhoffte sich in Mövum mehr Kundschaft, die vereinzelt auch aus dem höhreren Stand kommen könnte.
Wenn sie sich erstmal in dieser wachsenden Stadt niederließen, könnten sie sich ein gutes Geschäft mit ihren Waren aufbauen, denn die Neuigkeiten waren vielversprechend: In einer angehenden Hauptstadt waren Schmiede gut zu gebrauchen, denn eine Stadtwache brauchte Waffen und Rüstungsteile. Nicht zuletzt brauchten Bäcker Backinstrumente, Bader Operationswerkzeuge und Schreiner Hämmer. Ein guter Schmied war ein stets angesehener Mann, und da er sein Handwerk bis zur Perfektion beherrschte, machte er sich keine allzu großen Sorgen um ihr zukünftiges Leben.
Kurz bevor sie einige Tage später von dem gesamten Dorf verabschiedet wurden und mit einem Karren auf eine holprige Straße fuhren, dachte der Junge noch einmal über jene Geschichte nach, die er vor einigen Jahren von dem Alten gehört hatte. Es war die letzte Geschichte des Alten gewesen, denn kurz darauf hatte auch er sich, wie sie es nun taten, auf eine Reise begeben. Er wolle sich selbst ergründen. Mit diesen Worten hatte er sich auf den Weg gemacht.
Doch diese eine Geschichte war ihm seither nie aus dem Kopf gegangen. Er hatte sie sich sogar aufgeschrieben, so gut er es aus seinen Erinnerungen nacherzählen konnte.
Es war die letzte Erzählung, die ihm Geschichtenerzähler Blavis erzählt hatte und es war die beste. Ein Mythos, so wie eine gute Geschichte sein musste. Eine Geschichte, die es in sich hatte, und ihn besonders auf der bevorstehenden Reise begleiten würde. Geschichten hatten nämlich seit Anbeginn seiner Zeit sein Leben begleitet. Auf dieser Reise wollte er noch einmal über diese Geschichte nachdenken.
Fortsetzung folgt..

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Samstag, 8. Dezember 2012

Prolog Teil 2


Prolog Teil 2 Mit einem mal sah der Alte auf. Sein Gesichtsausdruck war nun konzentriert und musternd. Er schnaufte einmal kurz resigniert durch, bevor er sprach.
Du wirst wohl nie Ruhe geben, junger Knabe. Lass einen alten Herrn wie ich es bin für diesen Tag seinen Gedanken nachhängen, dann werde ich dir eine Geschichte erzählen. Bei Anbruch der Dämmerung wirst du mich in meiner Scheune antreffen können.“, murrte er rau und schlenderte weiter. Er räusperte sich und war plötzlich wieder der alte Greis, den er vorgab zu sein.
Kinder schreckte der Geschichtenerzähler durch dieses Vorgehen ab. Er hatte bereits eine gewisse Übung darin.
Der Junge, Sohn des Schmiedes Barrek, schaute ihm noch lange nach, bis er aus der Gasse verschwunden war. Jegor lächelte zufrieden. Er fragte sich, welcher Geschichte er diesmal würde lauschen dürfen.
Irgendwann, als der Tag sich dem Ende zuneigte, die Sterne ganz eben am Horizont ihr Licht entfachten und der Mond zunehmend stärkere Konturen auf dem Nachthimmel abzeichnete, lief er zu der vertrauten Scheune. Ihm kam es vor, als würden sich Mythen um sie selbst schlängeln, doch die Geschichten kamen alle niemals von hierher. Stets spielten ihre Handlungen in weit entfernten Ländern und in dessen längst vergessenen Städten. Eigentlich wusste er nie genau, welche Orte gemeint waren. Vermutlich war es ihm auch egal.
An jenem Abend war die Geschichte sehr kurz, doch umso packender:

Leise Wacht,
Stumme Aufmerksamkeit,
In der Ferne: Leise Stimmen,
Des Wächtersstarre fällt.

Mit einem markerschütterndem Schrei rannte ein von Grauen gefasster Mann in den Wald. Es war der Wächter der Torpforte. Ein gut gebauter Mann mit buschigem Vollbart, man mochte ihn in jener Stadt, die weit von seinen Nachbarn entfernt lag.
Eine beträchtliche Anzahl von Menschen versammelte sich wenige Augenblicke später an dem stählernen Stadttor. Es galt das merkwürdige Schauspiel zu ergründen.
Was sich ihnen jedoch bot, war weder aufklärend, noch entfernt verständlich, denn dort lag lediglich ein Brief vor ihnen auf dem Boden.
Wie vom Winde hergetragen lehnte das kleine versiegelte Stück Pergament innerhalb der Stadtmauern an dem grauen Stein. Eine verschnörkelte aber ordentliche Handschrift zierte es mit einer blassblauen Tinte.
Man schnitt es auf, um an dem Schicksal ihres Torwächters teilhaben zu können.
Einige hoffnungsvolle Gesichter schauten aufmerksam den Vorleser an:

Kreaturen, der Ihr seit auf der anderen Seite, seid gegrüßt,

euer Mann von diesem Ort eilt zu uns, wir werden ihm Kund tun, was uns beschäftigt.
Seit wachsam, schwere Zeiten brechen heran, eine ausführliche Erklärung folgt in Kürze,

Ursol Quers

Jahrhunderte später;
Ein Junges Helden-Quartett:
Wachen über die Lande.
Die Hoffnung wird sein;
Ewiger Friede lasse uns verein'.“

Diese merkwürdigen Worte teilten ihnen jedoch zu ihrer Enttäuschung nicht das mit, was sie sich erhofft hatten. Aus diesem Grund suchten sie jemanden auf. Ein kleiner Teil der Menschen, die rings um das Pergament gestanden hatten, klopften nun an einer robusten Tür. Dort wohnte der Mann, in deren Händen sie ihre Hoffnung nun legten, denn sie berichteten ihm das Geschehnis und übergaben ihm das Stück Pergament. Er las es sich durch, packte ein paar Brote in seine Manteltaschen und brach auf, um den Vermissten zu suchen.
Beide Männer sind seither nie wieder aufgetaucht.
Weder eine ausführliche Erklärung von dem rästselhaften Ursol Quers, noch etwas anderes wurde ihnen übermittelt.“
Fortsetzung folgt..

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Freitag, 7. Dezember 2012

Prolog Teil I

Jegor 

Prolog Teil I Es war eine dunkle Winternacht, in der ein kleiner Junge das Licht der Welt erblickte. Im Kerzenschein jener Nacht wurde der Neugeborene von seinem stolzen Vater in die Höhe gehalten und zum ersten mal bei seinem zukünftigen Namen genannt: Jegor In der Nachbarschaft des kleinen Dorfes das den Namen Grisburg trug, hatte sich diese Botschaft rasch verbreitet. Die Jahre verstrichen in dem Dorf, das inmitten eines Waldes weit unten in einem Tal lag. Es war sogar so gut versteckt, dass Reisende häufig nur durch Zufall darauf stießen. Hohe Berge, dessen Wipfel von Schnee bedeckt waren, stachen rings um dieses Tal in die Wolken des Nordens. Den Bürgern der Großstadt war diese Stadt unbekannt und das war auch gut so, denn nur selten kam ein Reiter aus Brien um die Steuern für den König einzufordern. Das kleine Haus der glücklichen Familie war alt und schön. Schon viele Generationen vor ihnen hatten es darin gut gehabt und nicht zuletzt war der sorgfältige Bau der Grund, weshalb sie im Winter nicht frieren mussten. Bis auf die Fenster des Steinhauses war das Haus ein Prachtbau für eine einfache Schmiedfamilie. Es war das beste und schönste Haus des Dorfes und ebenso ein Andenken an frühere Generationen väterlicherseits. In dem zweihundert Seelendorf war niemand sehr reich. Die Gassen waren von kleinen Holzhütten gesäumt, die gerade ausreichend für den Winter gebaut wurden. Ganz zu schweigen von einem Anwesen, sowas besaß niemand in diesem Tal, denn das war allenfalls etwas für die Bürger von Brien, der Hauptstadt des Königreichs. Die Bürger, die in Grisburg lebten, hatten ihre Familien und Freunde, und das reichte ihnen vollkommen. Alle kannten sich dort untereinander und niemand war an einem höheren Leben interessiert, denn sie teilten geschlagenes Feuerholz, halfen sich gegenseitig bei Reparaturen an den Hütten oder bei der Ernte und genossen die grüne Idylle als eine riesige Familie. Sie konzentrierten sich auf die wesentlichen Dinge im Leben. Ein weiterer Vorteil ihres Lebens in dem Tal war der außergewöhnlich fruchtbare Boden. Aus jenem Grund hatten die Bauern aus dem Dorf viele Felder auf Lichtungen bestellt. Der Ertrag daran war groß und die langen Winter konnten jedesmal ohne Probleme überwunden werden, da die Speicher stets mit Getreide gefüllt waren. Brot konnte gebacken und Bier gebraut werden. In den Wäldern von Talaniel wurden Pilze, Beeren und andere Früchte gesammelt und verarbeitet. Die Wirtschaft und der Tausch von Nahrung und Material gelang ausgesprochen gut und Reisende durften sich stets auf gemütliche Gasthäuser freuen, ein wahrhaft schönes Dorf. Ein Vogel, voll Glück und Freude zwitschernd, glitt spielerisch um den Kopf eines alten Mannes. Er lief mit einem Gehstock und weiß ergrautem Bart mühsam durch eine Gasse. Er murmelte seltsam vor sich hin. Es schien, als nähme er seine Umgebung garnicht wahr. Auch als ein junger Bursche von dem dorfeigenen Brunnen hüpfte und sich unmittelbar vor ihn hinstellte ging er unbeirrt weiter. Wie so oft schon ging der Junge dem alten Mann nach. „Ich weiß, dass Ihr nicht so seid, wie Ihr es vorgebt.“, sagte er fest zu dem Mann mit den faltigen Zügen. „Hört endlich auf damit! Ich bin alt genug um Euren Geschichten zu lauschen.“ In früheren Jahren hatte er sich Abend für Abend im Heu versteckt und den Geschichten des alten Mannes sein Ohr geliehen. Zunächst war er dort im Verborgenen gewesen, doch irgendwann hatte man ihn entdeckt, als er sich nicht genügend mit Stroh zugedeckt hatte. Seither hatte er den Alten viele Male übereden können, sich zu dem Publikum setzen zu dürfen. Vor einigen Wochen jedoch hatte das ein jähes Ende genommen. Der Mann hatte beschlossen, dass er zu alt sei, um noch gute Geschichten erzählen zu können. Das sah der Junge jedoch anders. Er wollte diesen fabelhaften Worten lauschen.
Fortsetzung folgt..

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